(Alle Teilnehmenden im Plenarsaal des Deutschen Bundestags)

Anlässlich der fünften Europäischen Jugendpartizipationskonferenz, die wieder von der Erasmus+ Stiftung finanziert wurde, traf sich der Jugendrat Liechtenstein letztes Wochenende zum letzten Mal mit der deutschen Initiative Jugendparlament. Als Durchführungsort wurde Berlin gewählt, eine wiedervereinte Stadt, die als Symbol für Zusammenhalt und Frieden einen passenden Rahmen für das Finale dieser Konferenzserie bildete.

Freitag

Auswärtiges Amt, Start-up, Berliner Abgeordnetenhaus

Die zwölf Teilnehmenden aus Liechtenstein reisten am Donnerstagabend, dem 07. Juli 2022, in die deutsche Hauptstadt, wo sie am nächsten Morgen von ihren deutschen Freund:innen begrüsst wurden. Das Programm startete mit einem Besuch beim Auswärtigen Amt, wo Mirko Kruppa den Teilnehmenden einen Einblick in verschiedenste Facetten der deutschen Auslandspolitik gab und Fragen zu aktuellen Themen wie dem Ukraine-Krieg beantwortete.

Anschliessend begab sich die deutsch-liechtensteinische Gruppe ins Büro des Start-ups «Cosmonauts & Kings», welches sich auf digitale politische Kommunikation spezialisiert hat. Nach einer kurzen Vorstellung des Geschäftsmodells zweier Mitarbeitenden aus dem Political Communications Team wurde die Gruppe in zwei Kleingruppen eingeteilt. In einer Case Study wurde das Wissen zum Thema «Digitale politische Kampagnen» direkt angewandt. Der Besuch endete mit einem Quiz über das Start-up und politische digitale Kommunikation.

Daraufhin besuchten die jungen Politikinteressierten den CDU-Abgeordneten Björn Wohlert und dessen Mitarbeiterin im Berliner Abgeordnetenhaus. Zu Beginn wurde ein kurzer Film über die Geschichte des Gebäudes gezeigt. Anschliessend wurde die Gruppe aufgeteilt und durch die Räumlichkeiten geführt. Im Anschluss an die Führung stellte sich Björn Wohlert verschiedensten Fragen über die Aufgaben und den Arbeitsalltag eines Abgeordneten des Berliner Parlaments und über die Möglichkeiten von Jugendpartizipation. Als ehemaliger Vorsitzender einer Jugendorganisation gab Herr Wohlert konkrete Anregungen für das Anliegen der Teilnehmenden.

Samstag

Arbeit am Handbuch für Jugendparlamente, Podiumsdiskussion, Streetart-Führung, Pubquiz

Am Samstagmorgen begab sich die Gruppe auf Einladung der Organisationen «Stiftung für Grundwerte und Völkerverständigung» und «Deutsch Evangelische Allianz» in zwei Räume in der Nähe des Brandenburger Tors. In den jeweiligen Sitzungsräumen wurde in Kleingruppen fleissig am Handbuch für Jugendparlamente weitergearbeitet, wobei vor allem das Thema «Social Media» weiter vertieft wurde. Ausserdem wurde über eine mögliche Weiterführung des Austauschs zwischen dem Jugendrat Liechtenstein und der Initiative Jugendparlament diskutiert und ein kurzes Konzept ausgearbeitet.

Im Anschluss an die Gruppenarbeit gingen die Teilnehmenden still durch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, welches sich direkt neben den Sitzungszimmern befand, und riefen sich mit Blick auf die erdrückenden 2711 Betonstelen die Schreckenstaten des NS-Regimes in Erinnerung.

Am Nachmittag durfte Ruben Giuliano von der Initiative Jugendparlament drei Politiker:innen zu einer Podiumsdiskussion begrüssen: Roman-Francesco Rogat von der FDP, Sandra Khalatbari von der CDU, und den neuntjüngsten Bundestagsabgeordneten Bruno Hönel von den Grünen. Was bedeutet Jugendpartizipation? Wieso wird es jungen Leuten so schwer gemacht, sich zu beteiligen? Wie könnte Jugendpartizipation erleichtert und attraktiver gemacht werden? Diesen und weiteren Fragen stellten sich die drei Politiker:innen und gaben Auskunft über ihre Erfahrungen, wertvolle Anregungen und konkrete Ideen. Sie alle betonten, dass sie sich in ihrer Arbeit als Abgeordnete bereits für mehr Jugendbeteiligung starkmachen und dies auch in Zukunft so weiterführen würden und zeigten sich dankbar für den Austausch mit den jungen Teilnehmenden.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion entfernte sich die Gruppe vom «politischen Berlin». In einer Streetart-Führung durch Berlin Kreuzberg durften die Teilnehmenden vieles über Strassenkunst und die Graffiti-Szene lernen.

Der Tag endete mit einem Pubquiz. In fünf gemischten Gruppen, benannt nach den Orten, an denen die fünf Konferenzen stattfanden – Vaduz, Köln, Schaan, Brüssel, Berlin –, versuchten die Teilnehmenden, verschiedenste Fragen rund um das Allgemeinwissen, aber auch über Politik zu beantworten. Nach zwei Runden wurde das Team Brüssel zum Sieger auserkoren. Die Quiznacht war ein gelungener Abschluss der Konferenzserie und hat die Teilnehmenden noch enger zusammengeschweisst.

Sonntag

Reichstagsgebäude, Regierungsviertel, Schifffahrt

Am Sonntagmorgen besuchten die jungen Erwachsenen das Reichstagsgebäude, wo sie von einer Mitarbeiterin durch die verschiedenen Räumlichkeiten geführt wurden – unter anderem durch den berühmten Plenarsaal mit den knallig-blauen Stühlen («Reichstag-Blue») und die einzelnen Fraktionsräume. Die Teilnehmenden lernten vieles über die Geschichte des Gebäudes und den Ablauf einer Parlamentssitzung, und durften schliesslich die Glaskuppel erklimmen und von der Dachterrasse aus den Ausblick über Berlin geniessen.

Anschliessend wurde die Gruppe durch das Regierungsviertel geführt und erfuhr vieles über die architektonische Anordnung von Bundestag, Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus. Ausserdem durfte die Gruppe Reststücke der Berliner Mauer und das «Parlament der Bäume» besichtigen, ein 1990 vom Künstler Ben Wagin eingerichteter Gedenkort für die Todesopfer an der Mauer.

Die fünfte und letzte Jugendpartizipationskonferenz endete mit einer Schifffahrt über die Spree. Die eineinhalbstündige Tour führte entlang wichtiger Sehenswürdigkeiten Berlins. Anschliessend verabschiedeten sich die Liechtensteiner:innen von ihren liebgewonnenen deutschen Freund:innen und traten ihre Rückreise nach Liechtenstein an.

Die Mitglieder des Jugendrats Liechtenstein danken der Erasmus+ Stiftung für die grosszügige finanzielle Unterstützung und hoffen sehr, ihre deutschen Freund:innen bald wiederzusehen und die Jugendpartizipation in Europa gemeinsam noch weiter voranzubringen.

Alle Infos über die vierte Europäische Jugendpartizipationskonferenz in Brüssel sind auch auf www.jugendpartizipation.eu zu finden.

Fotos: David Kranz